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Dabei sein hilft weiter: Chinas globale Spiele

Dabei sein hilft weiter: Chinas globale Spiele

 

von Richard Haass

 

21.07.2008 17:46

 

China hat eine Menge harter Lobbyarbeit geleistet, um den Zuschlag für die in diesem Sommer stattfindenden Olympischen Spiele zu erhalten, und als die Entscheidung für Peking fiel, tanzten im wahrsten Sinne des Wortes Tausende von Chinesen auf den Straßen. Sie sahen es als Chance, der Welt zu zeigen, wie weit sie und ihr Land es tatsächlich gebracht haben.

 

Ich weiß nicht, ob es auf Mandarin eine Entsprechung gibt für: "Pass auf, was du dir wünscht; es könnte in Erfüllung gehen." Aber wenn ja, gilt sie hier mit Sicherheit. China erhält eine Menge internationaler Beachtung, aber nicht von der Art, die es erwartet hatte. Im Gegenteil, China steht international unter intensiver kritischer Beobachtung, und zwar in jeder Hinsicht - bei seiner Tibetpolitik, den Menschenrechten und der Produktsicherheit ebenso wie beim Wechselkurs, seiner Politik im Sudan und dem globalen Klimawandel. Was ein Moment des Feierns hätte werden sollen, hat sich in einen Moment der Kritik verwandelt.

 

Tatsächlich sieht es so aus, als ob eine Reihe prominenter internationaler Führer, darunter der britische Premierminister Gordon Brown, Bundeskanzlerin Angela Merkel und UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon, nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen werden. Mehrere prominente US-Politiker haben sich für einen Boykott ausgesprochen. Eine Anzahl weiterer Staatsoberhäupter, darunter auch Frankreichs Präsident Sarkozy, ist dabei, die Vor- und Nachteile eines Wegbleibens abzuwägen.

 

Natürlich ist die Kritik an China in vielen Bereichen seiner Innen- und Außenpolitik berechtigt. Doch China vor den Kopf zu stoßen, wäre verfehlt. Dies hieße zu ignorieren, was das Land bereits geleistet hat, und Konsequenzen zu riskieren, die mit dem, was die Kritiker selbst anstreben, im Widerspruch stehen.

Augenmaß ist gefragt. Das moderne China ist lediglich sechs Jahrzehnte alt. Sein Wirtschaftswachstum war und ist absolut erstaunlich und hat Hunderte von Chinesen aus der Armut befreit. Tatsächlich muss man das chinesische Wirtschaftswachstum als eine der großen geschichtlichen Leistungen im Bereich der Armutsbekämpfung anerkennen.

 

Und China ist nicht bloß wohlhabender geworden; es ist heute auch politisch sehr viel offener als während der Mao-Ära. Die Zivilgesellschaft wächst; es gibt inzwischen mehr als 300.000 NGOs. Offizielle Statistiken zeigen, dass es 2005 zu mehr als 85.000 öffentlichen Protesten in Fragen wie der Korruption, der öffentlichen Gesundheit, der Umwelt und dem Landverbrauch kam (und in jedem folgenden Jahr vermutlich zu noch mehr). Selbst das kürzliche Erdbeben in Sichuan hat gezeigt, wie sich die chinesische Politik ändert: Kamerateams hatten Zutritt; führende Regierungsvertreter waren zu sehen und zu vernehmen.

 

Außenpolitische Signale

 

Es gibt außerdem Anzeichen, dass sich Chinas Außenpolitik weiterentwickelt. China hat letzthin eine hilfreiche Rolle dabei gespielt, Nordkorea bezüglich der Forderungen nach Einschränkung seiner Nuklearkapazitäten zur Zusammenarbeit zu ermutigen. Im Sudan hat China eine Resolution des UNO-Sicherheitsrates unterstützt, die dort einen internationalen Einsatz einleitete, und es hat für die gemeinsame Einsatztruppe der UNO und der Afrikanischen Union 315 Ingenieure abgestellt.

 

Nichts davon entschuldigt oder rechtfertigt die zahlreichen, realen Unzulänglichkeiten des chinesischen Verhaltens zu Hause oder im Ausland. Doch die Realität ist nicht einseitig. China ist dabei, sich zu wandeln - in vieler Hinsicht zum Besseren. Eine Politik der Isolierung oder Sanktionierung Chinas wird kaum zu weiteren Schritten in die richtige Richtung führen.

 

Wenn wir möchten, dass China ein vollwertiger Teilnehmer - ein Stakeholder - des internationalen Systems wird, werden wir dies eher erreichen, indem wir China in die globalen Institutionen integrieren. Die Chinesen müssen erkennen, wie sie von einer solchen Einbindung profitieren können - und wie sie darunter leiden würden, wenn sie nicht zu den Ländern gehörten, die unsere heutigen internationalen Institutionen formen und stärken.

 

Wir sollten die Einbindung Chinas aus eigenem Interesse anstreben. In einer globalisierten Welt erfordern globale Herausforderungen überwiegend globale Reaktionen, die unmöglich sind, wenn sich ein Land von der Größe und Bevölkerungszahl Chinas nicht beteiligt. Die Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen, die Förderung eines effizienteren Einsatzes von Energie, Maßnahmen gegen den Klimawandel und der Erhalt einer offenen globalen Wirtschaft - diese und andere Aufgaben erfordern eine chinesische Beteiligung - und sogar aktive Mitarbeit -, damit uns die Globalisierung nicht alle überwältigt.

 

Ein nützlicher Schritt unsererseits bestünde darin, den Anachronismus zu beenden, bei den jährlichen G8-Treffen der Industrieländer viele der weltweit wichtigsten Staats- und Regierungschefs zusammenzubringen, aber dabei China (oder, wenn wir schon mal dabei sind, Indien oder Brasilien) ganz selbstverständlich außen vor zu lassen.

 

Gefahr Nationalismus

 

Eine Integration jedoch wird nur dann Erfolg haben, wenn China und seine Führung dieser gegenüber aufgeschlossen sind. Kommunismus und Sozialismus genießen heute nicht mehr die öffentliche Unterstützung von einst. Materialismus und Konsumdenken sind kein Ersatz für politische und religiöse Freiheiten, die weiter stark eingeschränkt sind. Nur zu leicht kann der Nationalismus die Lücke füllen. Dies ist gefährlich, denn die Geschichte zeigt, dass Führer, die einen exzessiven Nationalismus zulassen oder fördern, von diesem nur allzu leicht gefangen genommen werden.

 

Dies ist nicht allein ein Argument dafür, den Nationalismus im Zaum zu halten, sondern auch, mehr politische und religiöse Freiheit zuzulassen, damit es innerhalb der chinesischen Gesellschaft über das wirtschaftliche Vorwärtskommen hinaus alternative Quellen der Legitimierung und Loyalität gibt. Dies ist etwas, das die Chinesen im Wesentlichen allein bewältigen müssen. Außenstehende können ihre Ansichten kundtun, doch sie sollten dies hinter verschlossenen Türen tun und ohne Dinge zu sagen oder zu tun, die genau jenen Nationalismus fördern dürften, vor dem wir abschrecken möchten.

 

All dies bringt uns zurück zu den Ereignissen dieses Sommers in Peking. China muss seinen Respekt für die Menschenrechte unter Beweis stellen und es den Journalisten gestatten, zu berichten. Und statt Peking zu boykottieren, sollten die Führer unserer Welt die Olympischen Spiele und das, wofür sie steht, annehmen. Die Olympischen Spiele sind ein Forum, bei dem Einzelpersonen und Länder miteinander in Wettstreit treten, aber in Übereinstimmung mit feststehenden Regeln. Dies ist genau das, was wir im 21. Jahrhundert von China erwarten. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2008)

 

http://derstandard.at/text/?id=1216325299546

长风破浪:中国的世界大赛

2008年7月21日

长风破浪:中国世界大赛

理查德·哈斯/著

文火/译   

   

      中国为获取今夏奥运的主办权,做了大量高强度的游说工作。当作出的决定为北京时,街头千万中国喜悦之情溢于言表。他们视之为向世界展示的机会:奥运对他们及其祖国带来多么深远的影响。

      我不知道,普通话中是否有相对应的一句:“注意,你自己许的愿,才可能去实现。”但对于北京奥运,它得加上保险才能有效。中国获得了巨大的国际关注,但并非他们所期待的那种,而是陷于水深火热的批判性察视中。具体到各个方面:西藏政策、人权和产品质量安全,以及汇率,苏丹政策和全球气候变化上也都如此。本该普天同庆的一刻,变成争吵不休之时。

      看起来的确是如此。似乎一溜串国际著名领导将不参加开幕式,这其中有英国首相戈登·布朗,德国总理安格拉·默克尔以及联合国秘书长潘基文。一些美国知名政客赞成杯葛北京奥运。更多国家元首权衡不参加的利弊得失,法国总统萨科齐也是其中一员。

      对中国内政外交众多领域的批评当然事出有因。但如果把矛头刺向中国眉心,那就选错了目标。这意味着,忽视这个国家已取得的成就,冒险的后果与批评家们所谋求的正好相反。

       他们的眼力不济。现代中国只有60岁,她前后经济增长令人叹为观止,而且把众多国民从贫困中解救了出来。中国经济增长在抗击贫困领域中的历史性贡献,着实让人刮目相看。

       中国也不仅仅是变富了。相比毛的时代,今天的政治已相当开放。市民社会在成长。这期间有多达30万个非政府组织。官方统计数字表明,在2005年有超过85000起对腐败、公众健康、环境以及土地出售问题上的示威(其后几年可能更多)。乃至近期的四川地震也显示,中国的政策本身怎样地转变:摄像队允许进入;著名的政府代表被看见和听到。

外交政策信号

      此外还有迹象表明中国的外交政策进一步发展。中国近期在鼓励朝鲜关闭核设施中扮演了有效的角色。在苏丹问题上中国支持联合国安理会的决议。那里有一个联合国苏丹特派团。还派遣了315名工程师加入联合国与非盟的维和部队。

      这些并不是为其开脱或辩解,中国在国内外的作为确实不够。但现实不是平面的,对此,中国本身在变——在很多方面改善。对中国的孤立或制裁的政策很难走上正途。

      如果我们希望,中国成为国际体系中具有同等地位的参与者,利益攸关方,我们就要让中国尽早融入全球一体化机制。如果中国不属于今天形成与壮大的国际机制中的一员时,中国人就必须认识到,他们怎样才能从这种融入中受益,以及怎样为之忍受痛苦。

      我们要从谋求自身利益来看待中国的融入。在一个全球化的世界,促进应对挑战的能力,如果幅员辽阔、人口众多的中国没有参与其中,是无法实现的。防止核武扩散,提高能源使用效率,应对气候变化措施以及保持开放的全球经济——这些及其他的事务需要中国人的参与——甚至积极的合作,这样全球化带来的挑战将无法压倒一切。

       我们这一方采取的有益步骤可能在于结束无政府主义(Anachronismus)* ,一年一度的工业国家G8峰会中,很多世界最重要国家或政府的首脑济济一堂,而在圈外的中国(或者,我们也已算上印度和巴西)向内拉进是理所当然的。

民族主义危险

       只有中国及其领导对一体化开放,才会取得成功。当今共产主义和社会主义已不再享有过去那样的公众支持。实利主义与高消费观念不是政治和宗教自由的替代物,而是是更加强大的限制,只会让民族主义轻易地填充进去。这是危险的,因为历史表明,领导人的允许或推进过火的民族主义,只会使其更容易走火入魔。

       这不单论证民族主义要维持在温和范围内,而且也要允许更多的政治和宗教自由。为的是在中国社会内部,于经济成长之外获得可轮替的权威与忠诚的源泉。这些必须由中国独自有意识的完成。旁观者可能有这样的观点,他们应该躲到紧闭的大门后面,不说也不做什么事,这恰恰是每个民族主义者要推动的。对这点我们会担心。

       所有这些事把我们带回到今夏的北京。中国须显示其对人权的尊重,以及许可记者们进行报道。北京奥运不应抵制,而是我们的世界领导们该想想,奥运的存在是为了什么。奥运体坛,使得国家和个人在既定的规则中共同竞争。这也恰恰是,我们对21世纪中国所期待的。

奥地利《标准报》印刷版  2008722


* 可参考维基百科“无政府主义”: 

http://zh.wikipedia.org/w/index.php?title=%E6%97%A0%E6%94%BF%E5%BA%9C%E4%B8%BB%E4%B9%89&variant=zh-cn 


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